Büromarkt Ruhrgebiet: Büroflächen in Duisburg, Essen und Dortmund

12. Februar 2011

Büromarkt Ruhrgebiet: Büroflächen in Duisburg, Essen und Dortmund Büromarkt Duisburg 

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft GfW summiert 62.000 qm Büroflächenumsatz, was etwa dem Vorjahresniveau entspreche – und auch dem der größeren Stadt Dortmund, wie Ralf Meurer, Geschäftsführer der GfW, gerne betont. 110 Abschlüsse habe es gegeben, darunter nur wenige Großvermietungen, allen voran der Umzug des Gesundheitsamtes der Stadt aus verstreuten Standorten in das Medical Center in Ruhrort, eine Projektentwicklung von Haniel, geplant vom Architekten Erasmus Eller mit Büros in Düsseldorf und Moskau.

Als stärkster Standort habe sich wieder der Innenhafen bewährt, auf den ein Drittel der Abschlüsse entfielen, daneben der Citykern mit Duissern und Neudorf und neuerdings Ruhrort. Hier sieht Ralf Meurer gute Chancen, dass nach einigen Verzögerungen die Projektentwicklung der Repro GmbH am Eisenbahnhafen Fahrt aufnehmen kann. Damit würde die Stadt einen weiteren Bürostandort mit hoher Qualität hinzu gewinnen, genau das, was Interessenten suchen. Allerdings noch lieber würden sie in die Bahnhofsnähe ziehen, weil die Erreichbarkeit für qualifizierte Mitarbeiter immer wichtiger würde: Beste Voraussetzungen demnach für das Quartier Duisburger Freiheit, das z.T. noch aurelis gehört – ob und wann dort allerdings der neue Investor Kurt Krieger (Möbel Höffner) tätig wird, ist noch offen, nachdem er sich einer zweiten geplanten Ansiedlung eines großen Möbelmarktes durch den Konkurrenten Ostermann im Norden der Stadt gegenüber sieht.

Fazit der GfW: Ein Büroleerstand wie aktuell "unter 3%" würde sich auf Dauer negativ auf die Entwicklungschancen der Stadt auswirken. Die erwarteten Neubaufertigstellungen für 2011 von 29.000 qm entsprächen etwa dem Vorjahresvolumen von nur 30.000 qm und würden vom Markt absorbiert.

Die Zahlen des Maklerunternehmens Cubion weichen zwar nicht im Gesamtergebnis von 62.000 qm, jedoch in der Gewichtung etwas ab, denn 2009 addierten sich die Umsätze auf 64.000 qm und die Leerstandsquote betrage jetzt 3,3% (Vorjahr 2,9%). Von diesen insgesamt 68.000 qm machten 45.000 qm Objekte von einfachem bzw. mittlerem Nutzwert aus – im Klartext: Ältere Büroflächen stehen verstärkt leer, denn an Neubauflächen sind es nur 13.000 qm.

Davon sind im zweiten Bauabschnitt des H2Office am Innenhafen, jenem mit Gold zertifizierten Vorzeigeobjekt der Orco Property, trotz der Spitzenmieten – Cubion beobachtete 14 Euro (2009 noch 13 Euro) – nach Angaben des Maklers nai apollo Düsseldorf nur noch 1.700 qm von gesamt 8.700 zu haben. Für den neuen Mieter prodot, einem Software-Dienstleister mit internationaler Ausrichtung, ist das genau die richtige Adresse – weniger um Kunden zu imponieren als um hochqualifizierte Experten aus London oder Mumbai als Mitarbeiter nach Duisburg zu locken. Gesamtleerstand am Innenhafen lt. Cubion 2010 übrigens 17.600 qm. Deren Resümee eines ruhigen Jahres: "Die Vermietungsleistung blieb rund 28% hinter dem Vorjahresergebnis zurück, der Gesamtumsatz allerdings liegt aufgrund einer überdurchschnittlichen Eigennutzungsquote nur rund 3% unter dem Vorjahresniveau."

Büromarkt Essen

Hier berichtet die Wirtschaftsförderungsgesellschaft EWG von 120.000 qm Büroflächenumsatz, wie in Duisburg knapp auf Vorjahresniveau (124.000 qm). Dabei sei die Fremdvermietung um 5.000 qm auf 107.000 qm gestiegen und damit "die höchste jemals in der Historie des Essener Büromarkts erzielte Fremdvermietungsleistung". Das will was heißen in einem traditionell durch Eigennutzer dominierten Markt, 2010 zählten dazu RAG Montan Immobilien, die auf Zollverein 6.500 qm Bürofläche für den neuen Firmensitz bauen. Mit rund 20% trugen zu den Vermietungen Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie bei, darunter Atos Origin (neu im Grugacarree) DPS (im Europa Center Essen) und die neue Niederlassung der auf Schulungen für die Bereiche Hardware, Software, Forschung und Dienstleistung ausgerichtete Comcave AG. Die Leerstandsquote habe sich von 4,9% auf 4,8% verringert (entsprechend 144.000 qm), die Spitzenmiete wird mit 13,50 Euro in bevorzugter Lage von Rüttenscheid angegeben.

Cubion kommt für 2010 sogar auf 124.000 qm (nach 126.500 in 2009) aus 155 Einzelabschlüssen, darunter im Büropark Bredeney 8.500 qm an einen nicht genannten Mischkonzern. Der größte Einzelabschluss (ohne Makler) war die Ansiedlung von E.ON Gastransporte an der Ruhrallee auf 10.800 qm. Der Leerstand betrage 146.000 qm entsprechend jedoch nur 4,2% (Vorjahr 4,8%). Von den 100.000 qm Neubaufertigstellung im Jahr 2010 seien gerade mal noch 850 qm verfügbar und für 2011 werden nur 23.000 qm Neubaufläche erwartet. D.h. die Quote wird weiter sinken.

Zur Erinnerung: Bereits in der Januarausgabe berichteten wir von den Zahlen von BNP Paribas mit 105.000 qm Umsatz für Essen und einer Leerstandsquote von 4,2%.

Büromarkt Dortmund

Hier betrug lt. Cubion der Büroflächenumsatz aus 95 Mietverträgen tatsächlich wie in Duisburg 69.000 qm, davon gingen 18.500 qm an Eigennutzer (2009 gesamt 68.500, Eigennutzer nur 3.000 qm). Dieses Ergebnis wird wesentlich gestützt durch die Interimsnutzung der Commerzbank AG in der Kampstraße 45 auf 7.700 qm und gegenüber Kampstraße 42 die Interimsnutzung von 2.000 qm durch den Verlag Lensing Wolff. In Dortmund dominiert der Citykern mit fast 30% eindeutig die Gesamtstadt, gefolgt vom Boulevard B1 mit 14,85% und dem Technologiepark mit 12,85%.

Diese beiden Standorte konnten sich steigern gegenüber dem Vorjahr. Dagegen fiel die neue Gewerbestadt Phoenix West mit nur 400 qm oder 0,79% (Vorjahr 5,26%)kaum ins Gewicht gleich auf mit dem Flughafen Holzwickede. Die Leerstandssituation in Dortmund unterscheidet sich jedoch wesentlich von derjenigen in Essen und Duisburg, wo neue Flächen kaum zur Verfügung stehen. Da in Dortmund selbst in Neubauten 31.500 qm leer stehen entsprechend 17,70% (Vorjahr "nur" 13,43%) – dazu zählt der nahezu unvermietete Westfalentower von Freundlieb – zuzüglich 8,15% in Neubauqualität, verwundert es nicht, dass der Gesamtleerstand in 2010 von 4,7% auf 6,2% geklettert ist.

Davon betreffen fast 75% die Flächen mit einfachem und mittlerem Nutzwert überwiegend im Citykern und an der B1, d.h. genau dort, wo Unternehmen aus ihren alten Büros in neue umgezogen sind. Allerdings dürfte sich die Situation langfristig etwas entspannen, denn nach 81.500 qm Neubaufertigstellung in 2010 werden für dieses Jahr magere 14.000 qm erwartet. Bei der Spitzenmiete mit aktuell 13,20 Euro habe sich wenig bewegt.

BNP Paribas (vgl. DIB Ruhr Nr. 25) kam nur auf 63.000 qm Gesamtumsatz bei einer Leerstandsrate von 5,7%. Bemerkenswert hier und den Beobachtungen von Cubion diametral entgegenstehend: Von den 41.000 qm Flächen im Bau seien keine mehr verfügbar.

(Quelle: DIB Nr. 237, DIB „Ruhr“ Nr. 26 / Foto: © Dieter Schütz / pixelio.de)

 


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