Von Thomas Voigt. «Der Flur ist die Visitenkarte der Wohnung», sagt Mareike Hermann, Wohndesignerin, Tischlerin und Trainerin der Do-it-yourself-Academy (DIY) in Köln: «Es ist der erste Raum, den man betritt, und daher sollte er möglichst schön gestaltet sein.» Dennoch kommt die Diele bei vielen Wohnungsbesitzern in Sachen Design zu kurz, so die Erfahrung der Trainerin. Schuld daran seien meist die schlechten Voraussetzungen im Flur: Fehlendes Tageslicht, schmale Gänge und wenig Stellfläche für Möbel inspirieren nicht gerade zu kreativen Höhenflügen. Gleichwohl gibt es eine Reihe von ebenso praktischen wie schönen Lösungen für das Durchgangszimmer.
Am Anfang steht das Licht: «Es bietet Orientierung und kann im Flur auch als Gestaltungselement eingesetzt werden», erklärt Annekatrin Reichelt, ebenfalls Kurstrainerin bei der DIY Academy. Neben klassischen Deckenleuchten könnten Strahler an einem Stangen- oder Seilsystem diese Aufgabe übernehmen. Sie haben den Vorteil, dass sie einerseits großflächig Bereiche ausleuchten und andererseits punktuell Akzente setzen können. «Überkreuzen sich die Lichtausschnitte der Strahler, geben sie einem engen Flur mehr Weite», erläutert Reichelt.
Kleine Dielen gewinnen durch in die Decke eingelassene Leuchten optisch an Höhe. Sie beleben den Raum und sorgen in der dimmbaren Variante für stimmungsvolle Lichtakzente. «Auch für die Wände und für den Fußboden gibt es versenkbare quadratische Leuchtfelder, mit denen sich verblüffende Effekte erzielen lassen», sagt Mareike Hermann. Das I-Tüpfelchen sei eine Kombination aus LED-Beleuchtung und Bewegungsmeldern. «Da springen nacheinander die Lichter an, wenn man durch den Flur geht», schildert Hermann. Allerdings sind diese Leuchten nicht versenkbar und daher lediglich für die Wand geeignet, am besten unterhalb von Regalbrettern. Ein Strahlersystem an der Decke lässt sich nach Worten der Designerin auch gut mit einer Bildergalerie kombinieren, was sich für lange Flure ohnehin anbiete.
Das Prinzip Licht gilt auch für die Farbwahl in der Diele: «Grundsätzlich sollten kleine, enge oder dunkle Räume in hellen Farbtönen gestrichen werden», sagt Annekatrin Reichelt. Für die Decke im Flur empfiehlt sie klassisches Weiß, eine dunklere Farbe würde ebenso wie eine Holzdecke eher drückend wirken. Für hohe Decken hat Reichelt einen kleinen Malertrick parat: «Beim Streichen der Decke lässt man die Farbe einige Zentimeter in die Wände übergehen, so dass am oberen Wandabschluss ein gleichmäßig breiter Randstreifen entsteht. Dies verkürzt die Wände und lässt die Decke niedriger erscheinen.»
Wer kräftige Farben möge, könne damit wohldosierte Akzente setzen, etwa mit einem Streifenmuster, regt Annekatrin Reichelt an: Senkrechte Streifen sorgen für optische Höhe und heben einen Bereich des Flurs hervor. Waagerechte Streifen ziehen einen kleinen Flur stromlinienförmig in die Länge. «Farbige Wandstreifen haben einen praktischen Nebeneffekt», so Reichelt. «Etwa in Hüfthöhe angebracht können sie mögliche Gebrauchsspuren kaschieren, die an einer weißen Wand deutlich mehr auffallen würden.» Als alternative Lösung nennt Designerin Hermann die flächige Zweifarbigkeit: «Das untere Drittel der Wände in einer kräftigen, gern mutigen Farbe und darüber dann ein heller Creme-Ton – das kann reizvoll und gediegen aussehen.»
Was an der Wand gilt, trifft ebenso für den Fußboden zu: «Längsstreifen machen nicht nur schlank, sondern strecken auch», bekräftigt Annekatrin Reichelt. Ein kurzer Flur wirke länger, wenn zum Beispiel Laminat- oder Holzpaneele längs verlegt werden. Diagonale Fliesenmuster könnten einen Raum ebenfalls optisch weiten. Umgekehrt lassen quer verlegte Bodenelemente lange Räume kürzer erscheinen. Und auch der Boden sollte nicht zu dunkel sein: «Wer einen neuen Boden verlegen möchte, sollte helle Holzsorten und Fliesen bevorzugen», rät Reichelt. «Sie verleihen dem Raum mehr Weite und sorgen für ein freundliches Ambiente.»
Die Möglichkeiten der Möblierung sind in fast jedem Flur sehr begrenzt, andererseits besteht gerade in der Nähe der Wohnungstür Bedarf an Stauraum. «Formschöne Wandgarderoben findet man in reicher Auswahl in Baumärkten oder Möbelhäusern», sagt Mareike Hermann. Eine sparsamere Lösung sei die einfache Rundholzstange, welche – mit zwei Stahlseilen aufgehängt – Platz für Bügel bietet. Als Sitzgelegenheit daneben empfiehlt die Tischlerin eine Bank oder einen Hocker, der unter der Sitzfläche ebenfalls Stauraum hat: für Mützen, Hüte, Schal oder Schirm.
«Hohe Korridore bieten zudem die Möglichkeit, unter der Decke Regalböden einzubauen, die mit einer Trittleiter erreichbar sind», lautet ein weiterer Tipp von Mareike Hermann: «So schafft man einerseits herrlich viel Platz und hat andererseits die schwindelerregend hohe Decke abgehängt.» Als kleine Raum-Künstler haben sich auch flache Schuhregale zum Aufklappen bewährt, in denen man auch allerlei andere Dinge aufbewahren kann. «Mehrere solcher Klappregale nebeneinander an der Wand, mit Ornamenten oder Wand-Tattoos beklebt oder witzig beschriftet – auch das ist ein praktischer Hingucker, der sich schnell und unaufwendig realisieren lässt», empfiehlt Mareike Hermann.
Bei all diesen Gestaltungsmöglichkeiten sollte die Diele jedoch nicht zu viel eigenen Stil hervorbringen, rät die Designerin: «Ein Flur verbindet mehrere Räume, die meist eigene Stilrichtungen haben. Daher sollte er möglichst neutral gehalten sein. Ein Blickfang am Ende des Ganges in Form eines Bildes oder eines kleinen Möbelstücks setzt einen feinen Akzent in einem ansonsten schlicht und zurückhaltend arrangierten Korridor.»
gi24/uk, ddp
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