Handelsspezialisten unverdrossen positiv – Inflation bleibt nur ein Traum der Bau- und Immobilienwirtschaft

20. November 2009

Handelsspezialisten unverdrossen positiv, Inflation bleibt nur ein Traum der Bau- und ImmobilienwirtschaftVon Werner Rohmert. Während manche Spezialisten wie z. B. Gerhard K. Kemper im Backgroundgespräch vor rund einem Jahr bei insgesamt positiver Einschätzung des Handels im Fachmarktsegment am ehesten ein Überangebot befürchten, waren die Teilnehmer und Referenten des Deutschen Fachmarktimmobilien-Kongresses 2009 eher positiv gestimmt.

Dennoch startete die Veranstaltung mit einem eher skeptischen Ausblick des Deutsche Bank Chefvolkswirtes Norbert Walter, der sich zum Ende seiner Angestellten-Laufbahn zunehmend weltpolitisch staatsmännisch mit Vorschlägen für die Politik gibt. Die Deutschen müssten wieder ihre Stärken ausspielen. Sie würden weltweit als Inkarnation der Zuverlässigkeit geschätzt. Hinsichtlich der Koalitionsvereinbarungen sah er vor allem Nutzen bei Steuerberatern, WP’s und Notaren, aber weniger bei der Bevölkerung. Steuerberater verwiesen aber im Backgroundgespräch auf die wohl fehlende Kenntnis der Honorarordnung; denn auch für sie sei das Koalitionspapier ein reines Arbeitsbeschaffungsprogramm.

Die deutsche Wirtschaft ist lt. Walter mit einem Verlust von Marktanteilen und Wettbewerbsfähigkeit konfrontiert. Eine Exportnation werde davon umso härter getroffen. Handel und Konsum neigen entsprechend zur Schwäche. Inflation bliebe aber ein Traum der Bau- und Immobilienwirtschaft. Die Zentralbanken im Euroraum seien unabhängig und die Geldpolitik werde Inflation nicht zulassen. Die „Null-Zins-Politik“ werde nicht mehr lange dauern.

Positive Perspektiven für Fachmärkte sieht aus Investmentsicht Bernhard Schoofs, Chef der Hahn-Gruppe. Zwar seien die Banken noch zurückhaltend, jedoch baue sich bei nach wie vor historisch niedrigen Zinsen ein Anlagestau auf. Es könne nicht von Dauer sein, dass Versicherungen Prämieneinnahmen zu geringeren Konditionen am Geldmarkt parken als sie selbst den Versicherten garantieren. Die Immobilienpreise hätten den Boden gefunden. Private und Family Offices würden bereits wieder investieren. Nach einer Untersuchung, die von der Unternehmensberatung Dr. Lademann & Partner in Kooperation mit Hahn durchgeführt worden ist, würden fast 50% der befragten Teilnehmer überwiegend zukaufen wollen und nur 10% sähe sich auf der Verkäuferseite. Viele Gesprächspartner warten auf günstigere Preise und laufen lt. Schoofs Gefahr, den Einstieg zu verpassen.

Die nach wie vor bestehende Untergewichtung bei einer Vielzahl an Investoren werde zu steigenden Immobilieninvestments führen. Viele alternative Investments seien derzeit unattraktiv bzw. überteuert. Historisch niedriges Zinsniveau, deutlich erhöhte Nettoanfangsrenditen bei Immobilien und vor allem Erwartung steigender Inflationsraten ließen bei unattraktiven Investmentalternativen die Immobilie profitieren. Die Lademann-Recherche sieht weiter, dass die Investoren sich auf die großen Agglomerationsformen fokussieren. Shopping-Center und Fachmarktzentren würden bevorzugt. Nachfrage nach Stand-Alones sei verhalten. Core-Immobilien würden favorisiert, wobei der Handel den Begriff „Core“ weniger an der Immobilienqualität, sondern vor allem an langfristig gesichertem Cash Flow ausgemacht wird.

Joseph Frechen von BulwienGesa sieht den gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang. Wie von uns schon vor über einer Dekade erwartet, sinkt nun nachweisbar der Anteil des Einzel-handels am privaten Konsum. Bei stetig zunehmendem Flächenangebot ist der durchschnittliche Umsatz pro qm seit 1992 drastisch von 4 000 Euro pro qm auf unter 3 400 Euro pro qm zurückgegangen. Obwohl sich der Einzelhandelsanteil in den letzten 10 Jahren von etwa 33% auf heute 30% reduziert, konnte dank steigenden Konsums der Einzelhandel in den letzten 5 Jahren dennoch leicht zulegen. Fachmärkte erhöhen kontinuierlich ihren Marktanteil – seit 2000 von 21% auf jetzt 25%. Für Konsumenten zählen kostenloses Parken und gute Erreichbarkeit sowie attraktive Preise und großes Angebot.

Für den Einzelhändler sind Konzentration auf Zielgruppen, flexible Anpassung des Angebotes an die Kundenwünsche, niedrigere Miete, niedrige Personalkosten, geringe Kosten für Anlieferung und Lagerhaltung, und größere Flexibilität entscheidend. (Gi24/DIB, Nr. 206, Foto: © Kurt. F. Domnik, pixelio.de)

 


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