Von Thomas Voigt. Aus einem großen Zimmer zwei kleine zaubern: Dafür braucht man heute keine Ziegelsteine und keine Maurerkelle mehr. «Der Trockenbau ist aus der modernen Bauweise nicht mehr wegzudenken», sagt Karsten Müller, Chefredakteur des Magazins «bauen.com» im rheinländischen Langenfeld. Ein zügiger Baufortschritt, geringer Werkzeugbedarf, niedrige Kosten und die kurzfristig mögliche Nutzung der umgestalteten Räumlichkeiten sind nach Worten des Experten entscheidende Pluspunkte bei der Errichtung von Zwischenwänden aus Metallprofilen und Gipskartonplatten. «Dank verbraucherfreundlicher Produkte und Verarbeitungsanleitungen lassen sich diese Trockenbauarbeiten auch gut in Eigenregie ausführen», macht Müller allen Heimwerkern Mut.
Metallprofile, genormte Platten aus dem gesundheitlich unbedenklichen Naturbaustoff Gipskarton sowie die passende Spachtelmasse und Schnellbauschrauben gebe es in den meisten Baumärkten, sagt Robert Raschke aus Bottrop, Maurer und Bautechniker sowie Trainer bei der Kölner Do-it-yourself (DIY) Academy. Info-Blätter und Broschüren zur Anwendung werden von vielen Herstellern gleich mitgeliefert. «Zuallererst kommt aber der Bleistift zum Einsatz», betont Raschke. Die geplante Zwischenwand wird auf dem Fußboden vorgezeichnet. Dabei gibt die Breite der gewählten Metallprofile, die in fünf, siebeneinhalb, zehn oder zwölfeinhalb Zentimetern erhältlich sind, bereits die Stärke der Wand vor.
Hinzuzurechnen sind noch zweimal 12,5 Millimeter für die Gipskarton-Schichten auf beiden Seiten. An den beiden Anschlussstellen wird die Zeichnung mit einem Lotstrich bis zur Decke fortgesetzt. «So erkennt man gleich, ob der neuen Wand eine Lampe oder ein Kabel im Weg wäre, und kann sie gegebenenfalls versetzen», erklärt der Bautechniker. Ebenso kann, wer in der neuen Wand ein Stromkabel verlegen will, diese ganz bewusst gegen eine austretende Stromleitung an der vorhandenen Wand setzen.
Bei den Metallprofilen wird unterschieden zwischen U-Profilen für Fußboden und Decke sowie den standstabileren C-Profilen für die senkrechten Streben. Zunächst müssen die U-Profile für Boden und Decke mit einer Blechschere zugeschnitten werden. «Vor dem Befestigen müssen sie zur Schallisolation an der Kontaktfläche unbedingt mit Schaumstoff-Klebeband abgeklebt werden», sagt Raschke. Mit Dübeln und Schrauben wird das erste U-Profil dann im Abstand von maximal 60 Zentimetern wie vorgezeichnet am Boden befestigt, für die Decke kommen je nach deren Beschaffenheit Holzschrauben, Gipskartonschrauben oder ebenfalls Dübel und Schrauben zum Einsatz.
Die senkrechten C-Profile werden in Länge der Raumhöhe minus einem Zentimeter zugeschnitten und dann im Abstand von 62,5 Zentimetern zwischen die U-Profile geklemmt. «Bei Verwendung der üblichen Gipskartonplatten mit zwei Metern Höhe und 1,25 Metern Breite erstreckt sich eine Platte dann genau über zwei Zwischenräume», rechnet der Fachmann vor. «An den Fugen werden also beide Platten am selben C-Profil verschraubt.» Dazu eignen sich am besten Schnellbauschrauben mit Senkkopf, die sich mit Hilfe eines Akkuschraubers bei ausreichender Geschwindigkeit durch den Gipskarton mühelos ins Profilblech schneiden. «Auch beim Befestigen der Platten sollte man an den Schallschutz denken und direkten Bodenkontakt vermeiden», rät Experte Raschke. Dafür sorgen maximal fünf Millimeter starke Holzplättchen, die man vor der Montage unterlegt und hinterher entfernen kann.
Das letzte Reststück der unteren Plattenschicht wird in der Breite nach Maß zugeschnitten. «Nach dem Vorzeichnen lässt sich die Platte mit einem Cuttermesser anritzen und dann an der Tischkante abschlagen», beschreibt Raschke. Sie hängt dann noch an ihrer unteren Papierschicht, wird dort abgeschnitten und grob angeschliffen.
Für die flachere obere Plattenreihe müssen alle Stücke in der passenden Höhe zugeschnitten werden. «Wer mit der unteren Reihe links begonnen hat, startet oben auf der rechten Seite mit der vollen Breite von 1,25 Metern und hat sein schmales Reststück am linken Ende», rät der DIY-Trainer. So werden durchgehende Senkrechtfugen in der Wand vermieden. Ist das letzte Stück verschraubt, werden von der noch offenen Rückseite Dämmplatten in den späteren Hohlraum eingesetzt. Auch ist es jetzt an der Zeit, bei Bedarf Stromleitungen bis zum gewünschten Punkt zu legen. «In den C-Profilen gibt es speziell dafür eingebaute Sollbruchstellen zur Kabelführung», sagt Robert Raschke und mahnt: «Beim Verschrauben der zweiten Plattenschicht den Kabeldurchlass nicht vergessen! Ist die Wand erst einmal dicht, lässt sich das Kabel nur schwer wieder herausfischen.»
Wenn beide Plattenschichten montiert sind, sollten sie nach Raschkes Worten komplett verspachtelt werden, damit zwei ebene Flächen entstehen. «Dafür bieten die Hersteller spezielle Fugenfüller mit integrierten Kunststofffasern an, die sich auch für die Fläche eignen», erklärt der Experte. Wer herkömmliche Spachtelmasse verwendet, sollte die gefüllten Fugen mit Vliesstreifen abdecken, damit später beim Malen, Tapezieren oder Fliesenkleben keine Feuchtigkeit eindringt. Bilder und andere Gegenstände befestigt man an der fertigen Trockenbauwand am besten mit Hohlraumdübeln oder Gipskarton-Schneckendübeln, wie der Bautechniker rät. Schwere Teile wie große Spiegel oder Wandregale sollten besser in den C-Profilen verschraubt sein. Um diese zuverlässig zu treffen, gibt es in einigen Baumärkten Ortungsgeräte zum Ausleihen.
Trockenbau – Weiterführende Informationen
Kompliziertere Trockenbau-Techniken wie z.B. den Einbau von Türen oder Fenstern können Heimwerker in den Kursen der Do-it-yourself (DIY) Academy erlernen, die in ganz Deutschland angeboten werden. Das Seminarprogramm kann unter Telefon 0221 / 277 595-0 (Fax: 0221 / 277 595-79) bestellt oder im Internet unter diy-academy.eu aufgerufen werden.
Einen lehrreichen TV-Beitrag zum Thema Trockenbau bietet außerdem der Sender XXHome im Internet unter xxhome.de. Der Button «Do-It-Yourself» in der oberen Menüleiste führt weiter zum Beitrag «Trockenbau».
gi24
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