Von Ruth Vierbuchen, Chefredakteurin „Handelsimmobilien Report“
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 84% der Investoren wollen in den nächsten fünf Jahren „Green Properties“, also Gebäude, die auf nachhaltige Energiegewinnung setzen, erwerben, hat Degi Research festgestellt. Angesichts der unkalkulierbaren Entwicklung beim Ölpreis und damit bei den Energiekosten, wird das Thema alternative Energiegewinnung immer brisanter. Auf Energie entfallen laut Degi 50 % aller nutzungsbedingten Kosten einer Immobilie. Für ein Shopping Center mit 18.800 qm Gesamtfläche ermittelte Prof. Dirk Bohne von der Leibniz Universität in Hannover einen Energieverbrauch von jährlich 250 Kilowattstunden je qm. Ziel ist heute die Konzeption von Shopping Center mit einem Energiebedarf von 100 Kilowattstunden pro qm und Jahr.
Um solch‘ hehre Ziele zu erreichen, muss das Thema Energieeffizienz schon bei der Planung und beim Bau des Shopping Centers beginnen. „Wer seinen Investoren nachhaltige Renditen bringen will“, so stellt Werner Rohmert, Herausgeber des „Immobilienbriefs“ fest, müsse nicht nur auf Green Buldings als Schlagwort setzen. Die Energieeffizienz werde in Zukunft auch Einfluss auf die Kreditvergabe haben.
Daraus ergibt sich auch, dass ältere Immobilien schwerer zu vermarkten sein werden. Und auch für den Einzelhandel als Mieter beispielsweise in einem Shopping Center wird es eine wichtige Rolle spielen, wie hoch der Anteil seiner Energiekosten sein wird. Die Shopping-Center-Szene stellt sich schon seit längerem auf das Thema Nachhaltigkeit ein. Für die Düsseldorfer Metro Group Asset Management (MAM), die als eine der führenden Managementgesellschaften für Handelsimmobilien mehr als 70 Centerstandorte in Deutschland, Polen und der Türkei verwaltet, ist der mehrfach prämierte Shopping Square Meydan in Istanbul mit einer der größten Geothermie-Anlagen Europas ein Meilenstein auf dem Weg zur zukunftsorientierten Energieversorgung. Mit den insgesamt 30.000 qm großen, naturbelassenen Dachwiesen ist Meydan nicht nur optisch ein „Green Building“. Die Anlage spart laut Metro jährlich 1,3 Mio. Kilowattstunden Primärenergie und 350 Tonnen CO2-Ausstoß.
Ziel der Düsseldorfer Immobiliengruppe war es zunächst ein „zukunftsorientiertes Pilotprojekt zur effizienten Nutzung regenerativer Energieformen aufzusetzen, das dem Anspruch an Wirtschaftlichkeit Rechnung trägt“. Anhand modernster Messinstrumente wird derzeit die Einsatzmöglichkeit von Geothermie bei den künftigen Bauvorhaben der Metro Group in aller Welt ermittelt. Der Düsseldorfer Handelskonzern ist in über 30 Ländern präsent.
Diese Strategie der Energieeffizienz will die Tochter von Europas zweitgrößtem Handelskonzern bei wachsendem Immobilienbestand demnach auf breiter Front verfolgen, um den Energieverbrauch pro Standort zu senken: Zum einen durch die Entwicklung von energieeffizienten Neubauten, zum andern durch die energetische Sanierung von Bestandsbauten. Als nächstes wird im Istanbuler Stadtteil Merter 2009 ein Einkaufszentrum fertig gestellt.
Für den Einsatz der oberflächennahen Geothermie wie im Fall Meydan entschied sich die Immobilientochter von Europas zweitgrößtem Handelskonzern, u.a. weil die Technik in den nördlichen Klimazonen als Wärmequelle zur Beheizung von Gebäuden bereits bekannt ist.
„Da wir in unseren Handelsimmobilien im Sommer auch einen erheblichen Kühlbedarf haben, richtet sich unser Fokus sowohl auf den Heiz- als auch auf den Kühlbetrieb“,
teilt das Unternehmen mit.
„In unserem Fall wird die oberflächennahe Geothermie als saisonaler Speicher genutzt, so dass wir insbesondere bei hohen und bei niedrigen Außentemperaturen den Anlagen effizientere Betriebsbedingungen zur Verfügung stellen können.“
Die gewählte Anlage ist nach Angaben des Unternehmens zwar 30% teurer als herkömmliche, doch werde sie sich spätestens nach 7 Jahren amortisieren. Sollten die Energiekosten im gegenwärtigen Tempo weiter wachsen, könnte der Zeitpunkt sogar früher erreicht sein. „Legt man eine durchschnittliche Energiepreissteigerung von 5% zugrunde, reduziert sich die Amortisationszeit der Geothermie-Anlage auf 4,6 Jahre“, sind sich die Verantwortlichen bei Metro sicher. Davon werden auch die Mieter über niedrigere Mietnebenkosten profitieren.
Darüber hinaus hat der Konzern im vergangenen Jahr eine hochmoderne 9.200 qm große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach seines Cash & Carry-Großmarkts in Düsseldorf installiert, um das Sonnenlicht ganzjährig zur Stromerzeugung zu nutzen. Hier hält sich Metro zugute, dass diese Solaranlage eine der größten Photovoltaik-Anlagen auf einer Handelsimmobilie in Deutschland ist.
Im Interesse des Klimaschutzes wird die Metro Group Asset Management auch die energieeffiziente Umrüstung ihrer bestehenden Centerstandorte vorantreiben. So nennt das Unternehmen beispielhaft das Center „Walzmühle“ (Foto) als eines von insgesamt sieben Einkaufszentren, die bereits energietechnisch umgerüstet wurden. Hier wurden durch die Installation einer hochmodernen Lüftungsanlage rund 75% des Stromverbrauchs eingespart und die Fernwärmekosten um über 60% reduziert.
Quelle: HIR, Nr. 25, 04.07.2008
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