Von Ulrich Lilienthal, Bereichsleiter Brockhoff & Partner Immobilien GmbH
Mülheim, die grüne Stadt am Fluss, wie sie sich selbst nennt, ist die älteste Stadt des Ruhrgebietes. Sie liegt zwischen Duisburg und Essen direkt an der Ruhr, die die Stadt auf 14 km Länge durchquert. Bereits 1966 schloss die letzte Zeche und machte Mülheim zur ersten „kohlenbergbaufreien Stadt“ des Ruhrgebietes. Mit seinen rund 171 000 Einwohnern liegt die Gründer- und Unternehmerstadt im Vergleich aller Ruhrstandorte von der Bevölkerungszahl her im unteren Mittelfeld. Doch die Kaufkraftkennziffer ist mit einem Wert von 111,9 überdurchschnittlich hoch.
Über ein größeres Einzugsgebiet verfügt Mülheim – das ist das Los der Städte im Ballungszentrum Ruhrgebiet – nicht, da die umliegenden Städte wie Essen, Oberhausen und Duisburg selbst über entsprechende Einkaufszonen verfügen. Mülheims 1A-Lage ist die Fußgängerzone Schloßstraße, diesich vom Einkaufzentrum Forum bis zu den Filialen von Woolworth und Kaufhof erstreckt. Hier finden sich Filialisten wie dm, Douglas, Takko, Tchibo, Deichmann, Apollo Optik, Wissmach, WMF, Ernsting´s family sowie Telekommunikationsanbieter. Besonders dieser Bereich der Einkaufsmeile ist bei überregionalen Filialunternehmen gefragt. Dabei richtet sich das Augenmerk besonders auf Flächen ab 200 qm.
Der Filialisierungsgrad der Schloßstraße liegt bei 55% und dokumentiert damit, dass der Anteil lokaler Einzelhändler noch relativ hoch ist.Der Sortimentsschwerpunkt liegt in den Bereichen Textilien/Leder (ca. 17,9%), Gastronomie-/Foodbereich (12,5%), Schmuck/Optik (10,7%), Mobilfunk/Computer/Elektronik (10,7%), Bäckereien (7,1%), sowie Geschenkartikel/Haushaltswaren mit rd. 7,1%.
Weitere Fußgängerzonen sind der Löhberg und der Kohlenkamp, diebeide als sehr gute Lauflage bis 1B-Lage bezeichnet werden können. Hier hat sich überwiegend der örtliche Einzelhandel angesiedelt. Das direkt an die Schloßstraße angrenzende Einkaufszentrum Forum mit ca. 55 000 qm (BGF), etwa 120 Geschäften und rd. 850 Parkplätzen im angrenzenden Parkhaus, steht in direkter Konkurrenz zur Fußgängerzone. Hier sind u.a. die Textilfilialisten H & M, C & A, Sinn-Leffers und New Yorker sowie die Buchhandlung Thalia als Ankermieter vertreten. Das Einkaufszentrum geht direkt in die Fußgängerzone über und kann insofern als Verlängerung der Schloßstraße angesehen werden. Die Fußgängerströme pendeln zwischen dem Kaufhof an dem einen Ende der Straße und dem Forum am anderen.
Das 1974 als „City Center Mülheim“ gebaute Center wurde 1994 zur 120 m langen überdachten Passage „Forum City Mülheim“ umgebaut und revitalisiert. Neben den Fachgeschäften bietet das Forum mit Gastronomie, einem Multiplexkino, einem Fitnessstudio sowie einer Tanzschule ein umfangreiches Freizeitangebot.
Eine weitere direkte Konkurrenz zur Schloßstraße ist das1973 eröffnete und mehrfach umgebaute RheinRuhr Zentrum, das bekanntlich nicht in die Innenstadt integriert ist, sondern direkt an der Stadtgrenze zu Essen liegt. Deshalb steuern auch viele Essener, speziell aus dem Süden der Stadt, das RheinRuhr-Zentrum vor allem bei schlechtem Wetter an, denn ein umfangreiches Entertainment-Angebot u. a. ein Multiplex-Kino, eine Discothek, eine Bowlingbahn sowie ein Fitnessstudio bieten viel Abwechslung.
Es liegt auf der Hand, dass die Umsätze in diesem Center am Stadtrand zu Lasten der Mülheimer Innenstadt gehen. Auch in Mülheim kann der Euro nur einmal ausgegeben werden. Mit seinen 100 000 qm Verkaufsfläche und etwa 200 Geschäften, Dienstleistern, Cafés und Restaurants bildet das RheinRuhr-Zentrum mit direkter Anbindung an die A 40 natürlich ein Schwergewicht in Mülheim und Umgebung. Über 5 000 kostenlose Parkplätze bieten reichlich Raum für Besucher. Ankermieter sind hier u.a. Karstadt, C & A, H & M, Peek & Cloppenburg sowie Saturn.
Diese Konkurrenzsituation spiegelt sich natürlich auch in den Mieten der Top-Lagen wider, die für kleinteilige Läden (60-120qm) lediglich bei 26-51 Euro je qm und für die größeren Läden (120-260qm) bei 20-26 Euro je qm liegen. Für eine Stadt dieser Größenordnung und mit dieser hohen Kaufkraftkennziffer ist das außerordentlich niedrig.
Keine Konkurrenz für die Schloßstraße ist dagegen Ruhrbania, (Foto) das zentrale Stadtentwicklungsprojekt von Mülheim, das unter dem Motto „Wohnen, Arbeiten und Erleben am Wasser" verschiedene Teilprojekte mit dem Ziel bündelt, Arbeitsplätze zu schaffen, die Innenstadt an der Ruhr attraktiver zu gestalten sowie Gäste und Neubürger in die Stadt zu holen. Initiatoren des Projektes sind neben der Stadt Mülheim an der Ruhr die Mülheim & Business GmbH Wirtschaftsförderung und die MST Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH. Durch Ruhrbania soll dieInnenstadt auf einer Länge von 500 Metern an die Ruhr herangerückt werden. Mit dem Bau der neuen Ruhrpromenade soll 2009 begonnen werden, die zentrale Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs an der Friedrich-Ebert-Straße, gegenüber vom Kaufhof, ist jedoch bereits eingeweiht. Großflächiger Einzelhandel ist am Flussufer nicht geplant, jedoch sollen im Süden Gastronomie und Dienstleistungen angesiedelt werden, im Norden sollen Wohnungen entstehen. Des Weiteren sind Teilprojekte wie die Schaffung eines Gründerzentrums für Jungunternehmer, die Entwicklung und Vermarktung gewerblicher Investitionsstandorte sowie die Weiterentwicklung der Museumsmeile geplant. Das könnte der City neue Impulse geben.
Quelle: HIR, Nr. 31, 26.09.2008
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