TSO zur US-Immobilienkrise – Vergangenheitsvergleich relativiert das Drama aus Sicht der US-Investoren

Von Werner Rohmert

Es gibt aus US-Sicht auch noch eine andere Sichtweise als die eines lange währenden Dramas. Wie auch am Mittwoch auf dem Platow Forum in Frankfurt, bei dem Karin Shrewer, President Real Estate Capital Partners vor Demografie- und Markthintergrund ein positives Langfristbild mit kurzfristigen Einkaufschancen zeichnete, stellt auch Boyd A. Simpson, Gründer der TSO The Simpson Organization, im Backgroundgespräch einige interessante Thesen zur historischen Einordnung der aktuellen Krise auf. Relativiert man das aktuelle Zahlenwerk durch Vergleich mit der letzten Krise von 1992 ergibt sich durchaus eine moderatere Betrachtungsweise. Ein Unterschied zu 1992 liegt allerdings in der weltweiten Vernetzung und in dem Fallieren weltberühmter Namen.

Vergleich zu 1992: 1992 gab es in USA 13 853 Banken. Davon fielen 2 689 Banken aus. 747 Banken wurden liquidiert. 394 Mrd. US-Dollar Vermögenswerte wurden verkauft. 2008 gibt es 8 451 Banken in den USA. Davon stehen derzeit 117 Banken unter Druck. Einziger prominenter Konkurs ist der von Lehman Brothers. Die anderen Banken konnten aufgefangen werden bzw. fallen unter das staatliche Hilfsprogramm. Das staatliche Hilfsprogramm umfasst 700 Mrd. US-Dollar. Allerdings gab es 1992 lediglich ca. 4,5 Billionen US-Dollar an Assets, während die vergleichbaren Vermögenswerte der Banken heute 13,3 Billionen US-Dollar Assets ausmachen. Das Bruttoinlandsprodukt betrug damals 6,5 Billionen US-Dollar und heute knapp 14,3 Billionen US-Dollar. Aus der Rezession 1992 ergab sich bereits ab 1993 ein erneutes Wirtschaftswachstum zwischen 2,7 und 4,5%. Lediglich „9/11“ reduzierte das Wirtschaftswachstum in 2001 auf 0,8% bzw. in 2002 auf 1,6%.

Wie entstand die aktuelle Krise aus Situation des US-Betrachters? Subprime-Hypotheken wurden mit politischer Unterstützung an schwache Darlehensnehmer vergeben. Diese Subprime-Hypotheken wurden strukturiert, gebündelt und dann in Wertpapierpakete aufgeteilt. Diese „Wertpapiere“ wurden weltweit Dank guter Ratings an Investoren zu weit überhöhten Preisen verkauft (Significant mispricing of risk). Die Verluste entstanden dadurch, dass bei dem Anstieg der Ausfälle die Wertpapiere überproportional an Wert verloren, weil aufgrund der Unsicherheit der Werthaltigkeit der Papiere ein noch höherer Ausfall erwartet wurde. Wegen der komplexen Strukturierung der Wertpapierprodukte und dem dadurch fehlenden Zusammenhang zu den Underlying Assets sind die Subprime-Hypotheken schwer zu bewerten. Daher wurde der Markt für diese Wertpapiere illiquide.

Daraus erlitten die Banken zunächst auf Buchhaltungsebene Verluste aus notwendigen Abschreibungen auf zu erwartenden Verluste. Dieser Abschreibungsbedarf aufgrund der Illiquidität des Marktes und der fehlenden Möglichkeit, einzelne Papiere zu bewerten, dürften deutlich höher sein, als die sich tatsächlich in der Summe nach Berücksichtigung der gegenüberstehenden Immobilienwerte ergebenden Verluste. Wegen dieser zunächst buchhalterischen Verluste waren die Banken unterkapitalisiert. Ihr Vermögen wurde eingefroren. Gleichzeitig kam die Geldvergabe der Banken untereinander zum Stillstand und unterbrach den Geldfluss. Damit mussten FED und das Finanzministerium bzw. die Politik einschreiten.

In dem Chart haben wir Ihnen auf Basis von TSO-Informationen noch einmal den Ablauf der aktuellen Krise zusammengestellt. Im Bankenbereich wurden zwar bekannte Namen betroffen, jedoch sind die Ausfälle im Vergleich zu 1992 eher gering. Das am 03.10. verabschiedete Gesetz beinhaltet den Ankauf von Hypotheken bzw. Sicherheiten im Wert von 700 Milliarden US-Dollar von Kreditinstituten. Gleichzeitig wurde die Versicherung von Bankeinlagen von 100 000 US-Dollar auf 250 000 US-Dollar pro Konto erhöht.

Wo liegt die zukünftige Stärke der USA aus US-Sicht? Politisch sollten die USA auf jeden Fall nach den Präsidentschaftswahlen profitieren. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation werden derzeit Obama größere Chancen eingeräumt. Das dürfte nach Einsicht von Simpson die Außenpolitik mit Europa und dem Rest der Welt kooperativer gestalten und zu einer schnelleren Beendigung des Irak-Krieges und insgesamt weniger militärischem Engagement in der Welt führen. Damit wird aus immobilienwirtschaftlicher Sicht, darin sind sich Simpson und Shrewer einig, die demografische Stärke der USA die Verwerfungen relativ schnell einholen können. 2007 wurde die Zahl von 300 Millionen US-Bürgern überschritten. In ca. 35 Jahren ist mit Überschreiten der 400 Millionen-Grenze zu rechnen. In Deutschland und in Europa sind die Bevölkerungszahlen dagegen überwiegend rückläufig.

Gleichzeitig werden allein in den USA mit 13,8 Billionen US-Dollar rund ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsproduktes von 54,3 Billionen US-Dollar in 2007 erwirtschaftet. Die europäische Union liegt mit 16,8 Billionen US-Dollar nicht viel über den USA. Vergleicht man die USA mit China (3,25 Billionen US-Dollar), Japan (4,4 Billionen US-Dollar) oder mit Indien (1,1 Billionen US-Dollar) und auch Deutschland (3,3 Billionen US-Dollar), so wird die immense Größe der US-Volkswirtschaft deutlich. Vor diesem Hintergrund ist Simpson mittelfristig eher optimistisch für die USA gestimmt. Speziell im Gewerbebereich ergeben sich aus der aktuellen Krise gute Chancen. Die sieht Karin Shrewer auf dem Platow Forum gleichfalls. In der Krise stecken Entwicklungschancen.

Quelle: DIB, Nr. 178