Von Ruth Vierbuchen
Namen wie Wehmeyer, Sinn-Leffers und Hertie, die alle Insolvenz angemeldet haben, verdeutlichen, mit welchen Widrigkeiten Deutschlands Bekleidungseinzelhändler derzeit zu kämpfen haben. Im Wettbewerb mit den Vertikalen wie Zara oder Mango, die von der Produktion bis zum Verkauf alles selbst machen, ist der traditionelle Einzelhandel nach Einschätzung von Experten unterlegen. Hinzu kommt, dass viele inhabergeführte Facheinzelhändler keine Nachfolger finden und deshalb aufgeben müssen.
Den traditionellen Bekleidungsherstellern sterben deshalb seit Jahren die Kunden weg – und damit die Absatzkanäle. „Wenn wir die Düsseldorfer Top-Einkaufsmeile Schadowstraße, die Königsallee oder die Berliner Allee heruntergehen, dann findet sich kein Einzelhändler mehr, der unsere Ware verkauft“, veranschaulicht Wolfgang Wessel, Generalbevollmächtigter des Berliner Bekleidungsherstellers Umlauf & Klein den Ernst der Lage. Die Konsequenz ist für den Hersteller von Mänteln und Jacken klar:
„Wir als Industrieunternehmen müssen vertikalisieren.“
Deshalb hat das 1951 in Berlin von Willi Klein und Paul Umlauf gegründete Unternehmen mit dem Mode-Label des Bekleidungsherstellers Miro Radici, der Apanage GmbH & Co KG, eine Kooperation vereinbart: Ab 1. September werden beide Partner 25 gemeinsame Stores unter dem Namen „Apanage“ führen. Die Läden werden mit den Apanage-Kollektionen ausgestattet und sofern Produkte von Umlauf & Klein ins Sortiment aufgenommen werden, werden sie mit dem Apanage-Etikett versehen. Umlauf & Klein stellt die Flächen und das Personal.
Für die Berliner, die diese 25 bundesweit verteilten Stores mit in die Kooperation bringen, ist das der zweite Anlauf in Richtung Vertikalisierung. Zuvor hatte Umlauf & Klein zusammen mit dem Hamburger Hersteller Knoop-Troullier Moden KG in Herne ein Netz aus 35 Stores aufgebaut, in dem dessen Mode-Label „AustFashion“ verkauft wurde. Doch die „Ehe“ scheiterte und die Partner trennten sich. Aus dieser Ladenkette übernimmt Umlauf & Klein 25 Läden und Knoop die restlichen zehn.
Wie Wessel rückblickend einräumt, hat sich das Management bei dieser Kooperation nicht genügend um das Sortiment gekümmert und die Stores mehr als Absatz-Instrument gesehen. Doch hat das Management in den zweieinhalb Jahren viel über das schwierige Einzelhandelsgeschäft gelernt,
„das Richtige in der richtigen Lage zu tun“.
Mit der Miro-Radici-Tochter Apanage hat sich Umlauf & Klein einen Partner gesucht, der gleichfalls bereits über Einzelhandelserfahrung verfügt. So bringt Apanage drei eigene Läden in die Partnerschaft mit, so dass sich das Laden-Netz auf 28 summiert. Außerdem hat die Marke 68 Flächenkonzepte (Shop-in-Shop) und verfügt nach der Kooperation über insgesamt 96 Verkaufsflächen. Zudem bietet Apanage eine hohe Modekompetenz und die notwendigen Ressourcen, um die Geschäfte mit einem kompletten Modeangebot regelmäßig und immer wieder neuen Ideen und Looks zu beleben. Aus Sicht von Apanage-Geschäftsführer Sebastian Weber bilden die 25 Filialen ein gutes Fundament, um im Einzelhandelsgeschäft weiter zu expandieren.
Die Apanage-Muttergesellschaft Miro Radici AG, die mit 7 000 Mitarbeitern in 18 Ländern vertreten ist, setzt mit dieser Kooperation ihre Strategie fort, „sich näher am Endverbraucher zu positionieren“.
„Dazu werden wir in Zukunft immer mehr Verkaufsflächen eröffnen“,
so Michelle Puller, Vorstandschef der Miro Radici.
Quelle: HIR, Nr. 29, 29.08.2008
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