Shopping-Stadt Köln – Heiß begehrt aber auch reichlich teuer

Von Christine Scharrenbroch

„Die Schildergasse war unser absoluter Wunschstandort“, sagt Uwe Janzen, Deutschland-Geschäftsführer von Ecco. Schräg gegenüber von Kölns Platzhirsch Kämpgen hat der dänische Schuhhersteller – einer der drei führenden Anbieter auf der Welt – auf 400 qm seinen weltweit größten Flagshipstore – und den größten Mono-Label-Store für Schuhe – eröffnet. Mit 12 500 Passanten pro Stunde sei die Schildergasse die meistfrequentierte Einkaufsstraße Deutschlands, sagt Janzen mit Verweis auf die jüngste Erhebung des Beratungsunternehmens Kemper´s Jones Lang LaSalle. Laut CB Richards Ellis gilt die Schildergasse sogar als meist frequentierte Einzelhandelslage in Europa vor der Londoner Oxford Street, der Mönckebergstraße (Hamburg), der Kaufinger Straße (München) und der Zeil (Frankfurt).

Die Schildergasse richte sich mit ihrem Warenangebot außerdem an eine nicht ganz so jugendliche Zielgruppe wie die Hohe Straße und entspreche damit der Strategie von Ecco, stellt Janzen fest. Die Miete allerdings bezeichnet er als „wahnsinnig hoch“. Der Expansionsdrang der Filialisten führt dazu, dass auf den beiden begehrten Haupteinkaufsstraßen in Köln inzwischen Mieten von rund 255 Euro pro qm für eine Ladenfläche von 80 bis 100 qm gezahlt werden, wie das Makler- und Beratungsunternehmen Comfort berichtet. Auch gelten hohe Abstandszahlungen als die Regel, um sich den Standort zu sichern.

Neu angesiedelt hat sich auf der Schildergasse neben Ecco auch Marc O´Polo. In das ehemalige Schuhhaus Böhmer ist Tommy Hilfiger gezogen und belegt dort 1 000 qm. Die Bestseller Textilhandels GmbH vergrößert ihr Angebot von Jack & Jones und Vero Moda um die zuvor von Tintoretto genutzte Fläche. Auf dem früheren Grundstück von Optik Simon baut gerade die Optikerkette Fielmann eine neue Filiale. Laut Brockhoff & Partner in Essen liegt der Filialisierungsgrad in der Schildergasse bei knapp über 80%.

Ein wenig ungewiss scheint die Zukunft des Kaufhofs in der Hohe Straße, dem Flaggschiff der Warenhauskette mit Sitz in Köln. Eigentümer Metro hat die Sparte bekanntlich auf die Verkaufsliste gesetzt. Bisher ist nicht klar, wer das Unternehmen erwerben könnte. Doch dass nach einer Veräußerung die in Köln seit Jahrzehnten ansässige Hauptverwaltung mit 1 600 Mitarbeitern womöglich verlegt werden könnte, hält Uwe Klein, Geschäftsführer des Kölner Einzelhandelsverbands, für eher unwahrscheinlich. Dafür sehe er keinen Grund.

Stark auf junge Konsumenten konzentriert sich die Hohe Straße. Seinen ersten Store in Deutschland hat hier Jane Norman aufgemacht, ein britischer Anbieter von Damenoberbekleidung. In dem lange vom Herrenausstatter Daniels genutzten Haus zeigt jetzt Kenvelo seine Damen-, Herren- und Kindermode. Neu eröffnet hat außerdem der Computerspiele-Anbieter Gamestop. In einen viergeschossigen Neubau mit 1 920 qm Mietfläche zieht zudem die C & A-Linie für jüngere Kunden, Avanti.

Auf der Ehrenstraße sind die Mieten auf Grund der starken Nachfrage der Filialisten in den vergangenen Jahren auf 100 Euro je qm gestiegen. Die regionalen Szenegeschäfte haben sich deshalb in die Seitenstraßen verlagert, was nach Ansicht von Comfort zu einer Belebung des gesamten Viertels führt. Auf Vermittlung des Maklers übernimmt Sacha Shoes den Laden von Gamestop. Fred Perry folgt Kyo My Friend nach, und der Schuhhersteller Crocs hat auf der Ehrenstraße seinen zweiten Shop nach Hamburg eröffnet. Bereits seit dem Frühjahr neu vertreten sind Fossil und die zum H&M-Konzern gehörende Modemarke COS. Auf der Mittelstraße (Spitzenmiete 75 Euro) gehören Alessi und das französische Lingerielabel Princesse zu den neuen Anbietern. Potenzial räumt Comfort in Zukunft der Gegend um das Quartier DuMont-Karree, WDR-Arkaden und Opernpassage ein.

Was die Sauberkeit auf den beiden Haupteinkaufsstraßen anbelangt, ein seit Jahren beklagtes Problem in der Dom-Stadt, hat sich nach Ansicht von Klein in der letzten Zeit einiges getan. Die Frequenz der Reinigung sei erhöht worden, um des leidigen Problems Herr zu werden.

„Es gibt immer mal wieder Beschwerden“,

berichtet er. Das Thema werde aber mit höchster Priorität behandelt, auch von Oberbürgermeister Fritz Schramma. Schwierigkeiten mit Kriminalität bestehen seiner Einschätzung nach in erster Linie rund um den Dom. Doch die so genannten „Klau-Kids“ in den Griff zu bekommen, erweist sich immer noch als höchst problematisch.

Quelle: HIR, Nr. 30, 12.09.2008

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