Expansion der Filialisten kennt keine Schwächephase

Expansion der Filialisten kennt keine SchwächephaseVon Ruth Vierbuchen. Gut aufgestellte Handelskonzepte nutzen auch in Krisenzeiten ihre Chance, entweder ihre Marktanteile auszubauen oder bessere Standorte zu ergattern. Das gilt für die Entwicklung in Deutschland, wo etwa der Hamburger Schuh-Filialist Görtz nach Auskunft von Oliver Bernhardi aus dem Bereich Standortentwicklung die leicht entspannte Lage auf dem Vermietungsmarkt ausnutzt, um seine Expansion voran zu treiben. Maklerunternehmen bestätigen den Trend.

Das gilt ebenso auf den internationalen Märkten, wie das Immobilienunternehmen CB Richard Ellis in seinem Bericht „How Global is the Business of Retail“ festgestellt hat: „Wir erwarten trotz des Marktumfeldes eine weitere internationale Expansion im Einzelhandelsbereich, auch wenn diese etwas langsamer verlaufen wird als in den vergangenen Quartalen“, konstatiert Karsten Burbach, Head of Retail bei CB Richard Ellis Deutschland.

So eröffnen die aktuellen Marktgegebenheiten durchaus die Chance, Standorte zu ergattern, die bisher zu teuer und somit nicht darstellbar waren, wenn insolvente Einzelhändler ihre Filiale aufgeben müssen. In diesem Wettlauf um gute Standorte sind private, eigenkapitalstarke Einzelhändler laut Burbach derzeit offenbar schneller und flexibler als börsennotierte Unternehmen, die unter „öffentlicher“ Beobachtung stehen und somit vorsichtiger agieren. Untersucht hat CBRE die Expansion von insgesamt 280 Einzelhändlern und dabei festgestellt, dass die internationalen Handelsketten auch in schwierigen Zeiten konsequent ihren langfristigen Expansionsplänen folgen, um das strategische Wachstum abzusichern.

Hauptantriebsfeder des Einzelhandels ist die Tatsache, dass gute Standorte rar und nicht multiplizierbar sind. Zur Speerspitze der globalen Expansion gehören laut Studie vor allem die international aufgestellten Luxusmarkenhersteller aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Zu den Einzelhändlern, die in den vergangen 12 Monaten am stärksten expandierten zählen einige der weltweit bekanntesten Marken wie der italienische Luxus- Konzern Gucci, die US-Coffee-Shop-Kette, Starbucks und der Edel-Juwelier Tiffany & Co. Beachtenswert ist aber auch der Markteintritt der USElektrofachmarktkette Best Buy auf dem britischen Markt. Und auch der spanischen Mode-Anbieter Inditex, die schwedische Hennes & Mauritz sowie der irische Bekleidungshersteller Primark haben sich neue Märkte erschlossen.

Insgesamt wagten 12% der von CBRE betrachteten Einzelhändler den Einstieg in neue Länder, 40% der Neueröffnungen fand außerhalb des Heimatlandes statt. Damit globalisiert sich der Einzelhandel immer stärker. Im Durchschnitt betrachtet hat der Internationalisierungsgrad im vergangenen Jahr zugenommen: Er stieg von 14,7 Ländern pro Einzelhändler im Jahr 2007 auf 16,5 Länder im Jahr 2008. Laut CBRE stehen dabei Länder mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten wie Asien, der Mittlere Osten und Osteuropa besonders im Fokus der Handelsfilialisten. Der internationalste Einzelhandelsmarkt ist derzeit aber Großbritannien mit der Hauptstadt London.

Hier ist der Internationalisierungsgrad sogar noch weiter gestiegen – von 55 auf 58%. Es folgen Spanien (48%) vor Frankreich (46%) mit Paris, die Vereinigten Arabischen Emirate (45%) auf Rang 4 und Deutschland (45%) auf Rang 5. Einen großen Sprung von Rang 31 auf Platz 15 machte Saudi Arabien, was die wachsende Bedeutung des Mittleren Ostens verdeutlicht.

gi24/HIR, Nr. 47

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