Bürovermietungsmarkt: Warten auf die große Delle?

Von André Eberhard

Inzwischen erreicht die Krise die Realwirtschaft. Das wahre Ausmaß der Krise, dass wurde auch auf der diesjährigen Expo Real klar, kann derzeit wohl niemand absehen. Unbestritten ist, dass sie über volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen auch den Immobilienmarkt tangieren wird.

Vermietungsumsatz

Der Bürovermietungsmarkt reagiert indes erwartungsgemäß im dritten Quartal kaum auf die Krise. Erfahrungsgemäß hinkt der Vermietungsmarkt der Konjunktur hinterher. Die richtige Konjunkturdelle wird wohl auch erst im nächsten Jahr auf uns zu kommen. Jones Lang LaSalle (JLL), CB Richard Ellis (CBRE) und Atisreal (AR) registrierten im dritten Quartal dennoch ein eher verhaltenes Bürovermietungsvolumen. Während bei JLL Berlin und Frankfurt steigenden Umsatz auf dem Bürovermietungsmarkt registrierte, verzeichnet CBRE auf allen großen Büromärkten sinkende Umsätze. AR registriert nur in Hamburg leicht sinkende Umsätze.

Leerstand:

JLL sieht auf allen Märkten eine Seitwärtsbewegung bzw. Abwärtsbewegung bei den Leerständen. Bei den Spitzenmieten sieht JLL für Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München einen leichten Aufwärtstrend. Stuttgart und Frankfurt liegen etwa auf gleichem Niveau. Frankfurt hingegen wird wohl zukünftig aufgrund der Bankenkrise eine Korrektur auf dem Bürovermietungsmarkt hinnehmen müssen.

Bei den Leerstandsraten liegen alle Makler in der Tendenz auf gleichem Niveau. Atisreal und JLL verzeichnen auf allen Büromärkten sinkende Leerstandsraten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies liegt zum einen an der guten Nachfrage, als auch zum anderen am geringeren Fertigstellungsvolumen. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Leerstandquoten im nächsten Jahr wieder steigen werden.

Spitzenmieten:

Das gleiche ist von den Spitzenmieten zu erwarten. Atisreal und JLL verzeichnen auf allen Märkten leicht steigende Spitzenmieten. Spitzenreiter ist nach wie vor Frankfurt. Doch auch hier ist aufgrund der Entwicklungen davon auszugehen, dass bei den meisten Büromärkten die Spitze des Eisbergs erreicht ist.

JLL zu Frankfurt – „Stabiles Ungleichgewicht“ in der Bankenmetropole:

Der mit nicht ganz 120 000 qm unbefriedigende Quartalsumsatz korrespondiert mit einer deutlich rückläufigen Anzahl der Vermietungen. Das ist das schlechteste Ergebnis in den letzten 5 Jahren. Ob dieses Zahlenwerk lediglich für eine abwartende Haltung oder für eine negative Trendwende spricht ist auch für JLL offen.

Die Umsatzzahlen für die ersten 9 Monate liegen mit mehr als 390 000 qm immerhin noch 16% über dem Neunmonatsdurchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Demnach könnten lt. JLL nach wie vor deutlich über 500 000 qm am Jahresende zusammenkommen. Das sei auch ohne die Flächen der EZB möglich, die ihre Entscheidung auf November vertagt hat. Vor dem Hintergrund der noch unentschiedenen Situation stagniert die Spitzenmiete bei 37 Euro. Das höherpreisige Segment war aber auch im 3. Quartal gefragt. Die Hälfte der Mietverträge lag über 30 Euro pro qm, wobei es aber keine Auskünfte zu Incentives gibt. Das Fertigstellungsvolumen neuer oder sanierter Fläche wird mit 70 000 qm auch in Frankfurt im kommenden Jahr deutlich anziehen.

DIB, Nr. 177

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